Nachlese der Praxiszeit Personal vom 12.03.2020

VonRene Ladwig

Nachlese der Praxiszeit Personal vom 12.03.2020

Mit fortschreitender Digitalisierung und Prozessoptimierung in Unternehmen verändern sich die Anforderungen an Arbeitnehmer und Arbeitgeber rasant und auch kritisch. Das Augenmerk für den Menschen, bleibt dabei oftmals auf der Strecke. Um die Menschen besser vorzubereiten und mitzunehmen, lud das Kompetenznetzwerk für Oberflächentechnik e.V., gemeinsam mit dem FachwerkMetall e.V. und der EN-Agentur am Donnerstag den 12.März 2020 zur Praxiszeit PERSONAL in das Henrichs, der Gastronomie im LWL Museum Henrichshütte in Hattingen ein.

Nach der Begrüßung der Gäste durch Herrn Dr. Irle von der HUEHOCO Group Holding GmbH & co. Kg machte Herr Gilfert, Geschäftsführer des Kompetenznetzwerks für Oberflächentechnik e.V. mit einem Vortrag über Mustererkennung den Anfang der Praxiszeit. Er zeigte spannende Erkenntnisse der Kognitionspsychologie auf und ließ die Teilnehmer mit kurzen Selbsttest in die Bereiche dieses Forschungsgebiets weiter hineintauchen. Die Anwendung eben dieser Erkenntnisse auf die Unternehmensstrukturen kann Konfliktkosten enorm reduzieren.

 

Unter dem Motto “führst du schon oder manipulierst du noch?“ stellte Marc Letzing von der Grauzone aus Hattingen einen faszinierenden Vortrag zum Thema Führungskultur vor. Passend zur Corona Krise stellte er verschiedene Führungspersönlichkeiten in Krisenzeiten vor und wog die Vor- und Nachteile ab. Als Diplom Psychologe konnte Herr Letzing darüber hinaus spannende Einblicke in das Innenleben verschiedener Persönlichkeiten liefern. Als Mitgründer der Grauzone, ein Co-Working Space in Hattingen leitete er seinen Führungsstil und den Recruiting Prozess in einem kreativwirtschaftlichen Unternehmen ab.

Nach einer kurzen Pause ging es mit dem Vortrag “Emotionen im Betrieb – Sand oder Öl im Getriebe?“ von Dr. Matthias Hartwig weiter. Er ging dabei der frage nach wie Emotionen unsere Entscheidungen im Berufsalltag beeinflussen und welche Konsequenzen wir daraus ableiten sollen. Die Schlussfolgerung, die daraus oftmals gezogen wird, nämlich das Beiseiteschieben von Emotionen, löst allerdings keineswegs dieses Problem. Emotionen, die nun mal ein essenzieller Bestandteil des Menschseins sind, sollten öfters offen angesprochen werden und in die Unternehmenskultur einbezogen werden. Herr Dr. Hartwig kam daher zu dem Schluss, dass der offene Umgang mit Emotionen der weitaus bessere Weg für Unternehmen ist, um langfristig erfolgreich zu wirtschaften.

Herr Michael Hanschmidt vom Büro für Zukunft stellte seine langjährigen Erfahrungen als staatlich anerkannter Erzieher und Diplom- Sozialarbeiter im Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in seinem Vortrag “Was soll ich denn mit denen…?“ vor. Auf Grund der geringen Bewerberzahl für Ausbildungsstellen müssten Unternehmen daher lernen auch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen umzugehen, die bis jetzt keine groß schulischen oder beruflichen Leistungen erbracht haben. Mit einem kurzen Video eines Workshops des Büros für Zukunft macht er deutlich zu welchen kreativen Leistungen Jugendliche oftmals bereits sind, wenn die richtigen Bedingungen geschaffen werden. Ein reiner Blick auf den Lebenslauf der Jugendlichen zeige oftmals nicht das Potential, das diese mit sich bringen. Um ein besseres Verständnis für die Jugendlichen zu entwickeln stellte der Redner anhand von drei Stofftieren unterschiedliche Persönlichkeitsmuster vor. Durch das bessere Verständnis der Psyche von Berufseinsteigern können Missverständnisse von Vornherein vermieden, ein produktiveres Lern- und Arbeitsumfeld geschaffen und eine längere Bindung ans Unternehmen erreicht werden.

„Wenn sich ein junger Mensch bei Ihnen bewirbt hat er sich statistisch gegen circa 19000 andere Möglichkeiten entscheiden. Dafür haben die Bewerber Ihnen bereits einen großen Vertrauensvorsprung gewährt, der von Seiten der Unternehmen erwidert werden sollte“, so der Referent.

Herr Hanschmidt schloss seinen Vortrag mit dem Apell ab die Individualität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Vordergrund zu rücken, um ihnen so den Freiraum für eine kreative und erfolgreiche Entwicklung zu geben.

In der zweiten Pause konnte sich die Teilnehmer bei Kaffee und Kuchen eine halbe Stunde lang stärken und die Fülle an Eindrücken verarbeiten.

Den Beginn der letzten Vortragsreihe machte Frau Birgit Beckert-Franke von der HUEHOCO GmbH und der wwaktiv Individuelle Gesundheitsförderung. Die oftmals langen Wartezeiten und die geringe Individualität des staatlichen Gesundheitssystems führen oftmals zu einer hohen Kostenbelastung für Unternehmen, da Mitarbeiter länger als nötig ausfallen und auch keine präventiven Gesundheitsmaßnahmen ergreifen würden. Vor allem die fehlende Gesundheitsvorsorge, die durch eine individuelle Beratung ermöglicht werden könnte, fehlt fast vollständig. Frau Beckert-Franke warb daher für einen Lösungsansatz der direkt am Unternehmen ansetzt, um das insuffiziente staatliche Gesundheitssystem zu umgehen. Dazu sollen Unternehmen einen eigenen Gesundheitsberater engagieren, der den Mitarbeitern in individuellen Beratungsgesprächen hilft die eigene Gesundheit langfristig aufrechtzuerhalten.

Herr Gilfert, der als Datenschützer für die EN-Agentur tätig ist, wandte ein das die Anamnese der Mitarbeiter schnell zu Datenschutzproblemen führen kann. Frau Beckert-Franke stimmt dem zu und erhoffe sich von der Politik in den nächsten Jahren einige Gesetzesänderungen in diesem Bereich, um die Unternehmen im Gesundheitsbereich zu entlasten.

Als nächste Redner folgten Herr Prof Dr. Michael Knappstein und Herr Lukas Fastenroth vom Kienbaum Institut @ ISM für Leadership und Transformation mit Ihrem Vortrag “Digital Readiness – worauf ist zu achten!“. Herr Fastenroth präsentierte den Teilnehmern den Digital Readiness Check und wie dieser durch quantitative und qualitative Studien abgeleitet wurden. Die Gäste erhielten dazu auch einen Zugang zum Onlinetest, um diesen im Anschluss selbst ausprobieren zu können.

Herr Prof Dr. Michael Knappstein gab abschließend einen Überblick über die Arbeit des Kienbaum Instituts. Er betonte, dass die Arbeit am Institut stets einen hohen Praxisbezug habe und er sich daher auf Input aus der Wirtschaft freue.

Als letzte Rednerin folgte Frau Prof. Dr. Katharina Lochner von der University of Applied Sciences Europe Iserlohn mit Ihrem Vortrag über Digitale Tools im Recruiting. Frau Lochner zeigte den Teilnehmer einen exemplarischen Recruiting Prozess mittels Digitaler Tools unter Einsatz von KI auf. Da künstliche Intelligenz oftmals überbewertet und auch falsch verstanden wird erklärte die Referentin die Definitionen von KI und verdeutlichte dies am Beispiel der Sprachanalyse. Die Anwendung von simplen if else Statements in der Programmierung der Analysesoftware ermöglicht dabei oftmals schon einen enormen Erkenntnisgewinn.

Im Anschluss der gelungenen Veranstaltung gab es für die Teilnehmer ein gemeinsames Buffett, bei dem die Teilnehmer die Fülle an Informationen in Ruhe sacken lassen und miteinander diskutieren konnten.

Wir möchten uns im Namen des Kompetenznetzwerk für Oberflächentechnik e.V. bei allen Rednern für Ihre informativen und spannenden Beiträge, bei Herrn Dr. Irle für die professionelle Moderation, sowie allen Gästen für Ihr Interesse bedanken.

 

 

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