NACHLESE ZUR WISSENSOFFENSIVE 2019 IN HAGEN AM 20.11.2019

NACHLESE ZUR WISSENSOFFENSIVE 2019 IN HAGEN AM 20.11.2019

„Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland in Zukunft aufrecht zu erhalten, führt kein Weg an einer Auseinandersetzung mit Kollaborativen Robotern und dem Einsatz von KI im Produktionsprozess vorbei“, betonte Herr Gruschinski von der Ruhbotics GmbH und eröffnete damit den Vormittagsworkshop der Wissensoffensive 2019.

In seinem Vortrag ging der Referent auf den wachsenden Markt für Kollaborative Roboter (Cobots) und deren Preis- und Nutzenvorteilen für Unternehmen ein. So ist eine Verzehnfachung der Marktgröße für Cobots innerhalb der nächsten fünf Jahre zu erwarten. Cobots verbinden dabei die Produktionsvorteile der manuellen und der automatisierten Fertigung hinsichtlich der Variantenvielfalt, Stückzahl, Flexibilität und Durchsatz. Das Zusammenspiel von Mensch und Roboter unterteilt sich dabei je nach Intensität der Exposition und Berührungsnähe in eine Form der Koexistenz, eine synchronisierte Arbeitsweise, eine Kooperation und die Kollaboration. Dabei ist die Überschneidung von Mensch und Roboter bei der Kollaboration am größten und ermöglicht eine maximal flexible Produktion.

Zusätzlich verdeutlichte Herr Gruschinski anhand des Beispiels einer automatisierten Produktfehler Erkennung eines Getränkeherstellers, welche Effizienz- und Qualitätsvorteile durch den Einsatz von KI erreicht werden können.

Anschließend an Herrn Gruschinski stellte Frau Prof. Dr.-Ing. Andrea Dedrichs-Koch von der Hochschule FOM die 5. Generation ihres Lern-Roboters Nao vor. Der interaktive Roboter dient als Lernwerkzeug, das Lehrer durch KI und Big-Data-Analytics dabei unterstützt für jeden Schüler ein optimales Lernklima zu schaffen.

Unter dem Motto Inklusion 4.0 soll  auch benachteiligten Personen ein Zugang zu hochwertiger und individuell maßgeschneiderter Bildung ermöglich werden. Frau Prof. Dedrichs-Koch konnte bereits in Zusammenarbeit mit verschiedenen Schulen Praxiserfahrungen sammeln. Schülern zwischen 10 und 16 Jahren wurden Einblicke in das Feld der Robotik ermöglicht – ein überaus wichtiger Beitrag, um Schülerinnen und Schüler für die Herausforderungen der Digitalisierung zu sensibilisieren und vorzubereiten. „Bei unseren Schulbesuchen haben wir schnell festgestellt, dass bei fast allen Schülern ein großes Interesse am Umgang mit Nao bestand.“ erzählte Frau Prof. Dedrichs-Koch „Uns ist fast kein/e Schüler*inn begegnet, der/die keine Affinität zu unserem interaktiven Roboter besaß.“ So die Referentin weiter.

Die einfache Programmierung des Roboters über eine benutzerfreundliche Oberfläche öffnet auch unerfahrenen Personen den Einstieg in die Welt des Programmierens. Zum Abschluss präsentierte Nao den Teilnehmern durch eine Tai Chi Präsentation sein Fähigkeiten.

Herr Gruschinski stellte abschließend als Vertreter der Rethink Robotics GmbH, die mittlerweile Teil der HAHN Group GmbH geworden ist, den Cobot Sawyer vor, der eine einfache Bedienung bei gleichzeitig hohen Sicherheitsansprüche miteinander vereinigt. Zusätzlich erreicht Sawyer mit einer Genauigkeit von 0,1mm eine hohe Präzision. Die präzise Messung biomechanischer Grenzwerte für Menschen wurde hierfür in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -Automatisierung IFF ermittelt. Zusätzlich wurde auf das Produkt Airskin der Firma Blue Danub Robotics verwiesen, dass mit Hilfe von druckempfindlichen Schaumstoffpolstern einen weiteren Schutz für Arbeiter im Umgang mit Cobots bietet.

Der wichtigste Vorteil der Cobot Lösung der Rethink Robotics GmbH liegt allerdings in der Einfachheit der Softwarelösung, die eine vollständige Programmierung mit nur wenigen Klicks ermöglicht. Als Technologieexperte verwies er jedoch auf fehlende Standards im Bereich der Industrie-Roboter. Dadurch wird vor allem die Kombination der Software verschiedener Anbieter kompliziert und kostspielig. Es wurde betont, dass sich die Rethink Robotics GmbH um Vereinheitlichung der Software Standards bemüht.

Vor allem Verantwortliche für Behindertenwerkstätten äußerten großes Interesse an Sawyer, um auch in Zukunft einen Mehrwert für ihre Kooperationspartner bieten zu können und körperlich beeinträchtigten Personen ein angenehmes und produktives Arbeitsumfeld zu schaffen. „Wir sind mittlerweile starker internationaler Konkurrenz ausgesetzt.“ betonte ein Vertreter der SIHK. „Damit wir auch weiterhin einen Nutzen für unsere Kunden schaffen können müssen wir derartige Technologielösungen in unsere Produktionsprozesse implementieren. Gerade körperlich beeinträchtigte Personen können davon stark profitieren.“ So der Vertreter der SIHK weiter.

Gleichzeitig bietet der relativ geringe Kaufpreis und die niedrige Amortisationsdauer die Möglichkeit für den Einsatz in Klein- und Kleinstunternehmen. Als Teil der Hahn Group besteht darüber hinaus auch die Möglichkeit über die HAHN RobShare GmbH Cobots zu mieten.

Die hohen Sicherheitsstandards von Cobots schaffen so auch neue Geschäftsmodelle. So wurde Sawyer unter dem Motto Rethink Barista bereits als Kaffee Service Roboter auf Messen getestet und von Kunden gut aufgenommen.

Einige Industrievertreter merkten an, dass durch den Wandel der Produktion hin zu kleineren Losgrößen mit höherer Produktvariabilität der Einsatz von Cobots essentiell wird, um gegenüber technologisch schnell aufholenden asiatischen Ländern (bspw.. China) konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei sei die Kombination von Cobots und KI notwendig.

Herr Gruschinski stimmte dem zu und verwies auf die fehlenden Effizienzzuwächse deutscher Industrieunternehmen in den letzten Jahren.   Dafür soll KI und der Einsatz von Cobots nicht als Rationalisierungsmaßnahme, sondern als wahrer Mehrwehrt für Unternehmen verstanden werden, der neue Chancen schafft. „Insgesamt können Cobots durch ihre präzise Arbeitsweise zu einem robusteren Produktionsprozess mit geringeren Fehlerquoten und damit weniger Ressourcenverschwendung beitragen“ so Herr Gruschinski.

Frau Dedrich-Koch zeigte am Beispiel des Smart Home, dass durch die Möglichkeiten zur individualisierten Produktionsfertigung Potential freigesetzt wird. Dies ermöglicht neue Denkweisen und damit verbunden auch neue Geschäftsmodelle. Vor allem der demographische Wandel und die steigenden Ansprüche für ältere Gesellschaftsmitglieder würden eine stärker individualisierte Produktion unabdingbar machen.

 

Um 13 Uhr begann der Hauptteil der Wissensoffensive.

Zunächst begrüßte Herr Prof. Dr. Andreas Kleine als Prorektor für Forschung und wissenschaftliche Nachwuchsförderung der FernUniversität in Hagen die knapp 140 Teilnehmer. Hierbei wurden die Forschungsschwerpunkte der Universität vorgestellt. Herr Kleine betonte, dass es Aufgabe der Universität sei, Forschungsergebnisse sichtbar zu machen, um so den „Transfer in die Gesellschaft“ zu bewerkstelligen. Der Studiengang Data Science wurde angesprochen, der sich derzeit an der FernUniversität Hagen in Planung befindet und so seinen Beitrag zur Überwindung der Digitalisierungsherausforderungen leisten soll.

Anschließend bestellte Herr Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalens und Schirmherr der Wissensoffensive 2019, mit einer Videobotschaft den Teilnehmern seine Grüße. Herr Pinkwart betonte, dass kein Weg an einer Auseinandersetzung mit den Themen Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen führt. Vor allem der exponentielle Wissenszuwachs führt dazu, dass eine automatisierte Datenstrukturierung unerlässlich für Unternehmen wird.

Abschließend stellte der Vorstandsvorsitzende des Wisnet e.V. Herr Dr. Erich Behrendt dessen Arbeit vor und begrüßte die Teilnehmer. Herr Behrendt musste feststellen, dass Digitalisierungsstrategien zur Effizienzsteigerung bislang in Deutschland gescheitert seien. Dies läge vor Allem an fehlenden digitalen Standards. Daher sei eines der Hauptziele des wisnet e.V. die Schaffung eben dieser digitalen Standards.

Darauffolgend stellte Herr Jan Henrik Holk, Head of Training Center der Maschinenfabrik B. Krone GmbH & Co. KG die, mit dem eLearning Award 2019 in der Kategorie „Internationaler Rollout: Lernportale im Best Practice Einsatz ausgezeichnete, firmenintern entwickelte Lernplattform vor. Die B. Krone GmbH & Co. KG konnte eine Problemlösung für die Einweisung von Käufern in ihre landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge, die im Zuge der Digitalisierung eine immer größere Palette von Assistenzsystemen beinhalten, entwickeln. Dies barg vor allem auf Grund des globalen Absatzmarktes und den damit verbunden hohen Aufwand für die Einweisung der Kunden ein enormes Einsparpotential. Nach anfänglicher Entwicklung von Lerninhalten durch externe Anbieter, ging die B. Krone GmbH & Co. KG in den letzten Jahren dazu über ein firmen internes Team damit zu beauftragen. Dadurch konnte das bereits im Unternehmen vorhandene Expertenwissen direkt in die Lehrinhalte miteinfließen.

Anschließend ging es nach einer kurzen Pause in die einzelnen Labs. Professor Lochner stellte in Lab 1 die ganze Bandbreite von Recruiting-Tools unter Einbezug von KI vor. Sie zeigte auf, dass sich bereits ein Wandel von einem Arbeitgeber- hin zu einem Bewerbermarkt vollzogen hat. Daher sei der Einsatz eines effizienten Bewerbermanagementsystems unter Verwendung von KI für Unternehmen heutzutage unverzichtbar.

Herr Wissenbach von der Heinrich Stamm GmbH stellte darauffolgend das firmeninterne Ausbildungssystem vor. Hierbei wird in erster Linie versucht bereits im Unternehmen vorhandene und motivierte Mitarbeiter die Chance zu geben sich weiter zu qualifizieren. Der Einsatz von KI kann dadurch ein wartungsarmes und auf jeden Mitarbeiter individuell zugeschnittenes Lernumfeld schaffen.

In Lab 2 stellten Prof. Dr. Thomas Schack vom Excellenz-Center CITEC und Prof. Dr. Ralph Dreher von der Universität Siegen individualisierte assistive Technologien zur Kompetenzentwicklung für Unternehmen vor. Herr Prof. Dr. Dreher verdeutlichte den Einsatz von KI anhand der Beispiel Expertensystem und AR-Authoring.

In Lab 3 stellte Ekkehard Wiechel von der Effizienzagentur NRW und Herr Dipl.-Ing. Marcel Graus von der Cambio Analytics GmbH Köln Möglichkeiten zum Aufspüren von Einsparpotentialen mittels Machine-Learning-Methoden und Big-Data-Technologien für Unternehmen vor, um so Ressourcenverschwendung zu vermeiden.

Nachdem sich die Teilnehmer in den Labs 1-3 intensiver mit den Themen KI im Recruiting, Assistenzsystem für die Weiterbildung und KI für Effizienz und Nachhaltigkeit beschäftigen konnten folgte das Kommunikationskaffe. Die Teilnehmer konnten sich über das neu gewonnene Wissen austauschen und bei Kaffee und Kuchen kurz innehalten.

Ab 15:40 Uhr folgte der nächste Vortrag von Herrn Hermann Ortmeyer, der als internationaler Produkttrainer bei der Miele & Cie. KG arbeitet. Herr Ortmeyer stellte das, mit dem eLearning Award 2019 in der Kategorie kompetenzorientiertes eLearning, interaktive eLearning System zur Kompetenzentwicklung von Verkäufern für Haushaltsgeräten der Miele & Cie. KG vor. Das auf dem vorgestellten Kompetenzatlas beruhende System stellt die Verkäufer in unterschiedlichen Kundengesprächen vor die Herausforderung die richtigen Kommunikationsmöglichkeiten zu wählen. Der Schwierigkeitsgrad der Kommunikationssituation past sich dafür an die bereits vorhandenen Kompetenzen des Verkäufers an und kann dann stufenweise gesteigert werden. Zusätzlich werden die Verkäufer mit insgesamt sieben unterschiedlichen Persönlichkeitsprofilen der Kunden konfrontiert. Der Referent verwies auf die gute Resonanz von Verkaufsmitarbeitern bzgl. des Systems und die gute Anpassungsmöglichkeit der eLearning Plattform an andere Kulturkreise.

Ab 16:10 Uhr folgten die Labs 4-6. In Lab 4 stellte Herr Dr. Frank Boeger von der MHP Management- und IT-Beratung GmbH, ein Tochterunternehmen der Porsche AG, das Konzept Agiles Management und Susanne Hein von der artaro GmbH das Konzept Agile Lernkultur vor.

In Lab 5 präsentierten Herr Dirk Burkhard vom Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Saarbrücken und Herr Maximilian Poretschkin vom Fraunhofer IAIS und KI:NRW die Wichtigkeit und Umsetzungsmöglichkeiten für KI-Training vor.

In Lab 6 zeigten Herr Prof. Dr. Vieregge vom Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum eStandards und Herr Timo Manke von der LMB-Laser-Materialbearbeitungs GmbH wie anhand von Daten-Robotern Umsatzsteigerungen erreicht werden. Vor allem die Auswertung der Firmen-Website gilt als überaus nützliches Tool zur Neukunden-Identifizierung und Bestandskundenbetreuung.

Anschließend an die einzelnen Labs und einer kurzen Pause ging es um 17 Uhr mit der abschließenden Podiumsdiskussion weiter. Volker Ruff, Geschäftsführer der HAGENagentur GmbH, Heinz Leymann, Bundesvorsitzender IfKom, Heiker Schneider-Jenchen, Vizepräsidentin Verband deutscher Unternehmerinnen e.V. und weitere Industrievertreter diskutierten unter der Moderation von Herrn Martin Hilbig über Digitalisierungsherausforderungen, Innovationskosten und, bedingt durch die Globalisierung verschwimmende Grenzen und verstärkte Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Die Diskussion zeigte, dass Deutschland durch sein hohes Bildungsniveau ein solides Fundament besitzt, um auch in Zukunft an der Weltspitze zu bleiben. Dennoch müssen sich, gerade auch klein- und mittelgroße Unternehmen Kompetenzen im Bereich Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und Big Data Analytics aneignen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandort Deutschlands langfristig aufrechtzuerhalten.

 

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